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Paravent selber bauen – Tipps zu Material, Aufbau & Gestaltung

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Paravent selber bauen Anleitung
© jeanjacques - Fotolia.com

Paravents dienen als dekorative Abgrenzung oder als Sichtschutz vor unerwünschten Blicken. Ihnen gefallen die Modelle von der Stange nicht? Dann bauen Sie doch selbst ein Paravent. Die Anleitung dazu gibt’s hier.

Spanische Wand, Raumteiler, Wandschirm, Ofenschirm, Paravent – kaum ein Möbelstück hat so viele Synonyme. Und genauso vielseitig ist es einsetzbar. Wir erklären in diesem Artikel nicht nur, woher der Paravent stammt und wie man ihn mit wenigen Handgriffen selber baut, sondern verraten auch, wie man mit etwas Fantasie daraus noch viel mehr zaubert.

Geschichte des Paravents

Anders als der Name vermuten lässt, stammen diese Wandschirme nicht von der iberischen Halbinsel, sondern aus China. Bislang lassen sich die ersten Modelle bis zur Han-Dynastie, die das Kaiserreich China von 206 vor Christus bis 220 nach Christus regierte, zurückverfolgen. Während ein Paravent zunächst nur als einfacher Windschutz genutzt wurde, entdeckten die Besitzer schnell weitere Verwendungsmöglichkeiten. Vor allem in Japan entstanden mithilfe von Kalligrafie, aufwendigen Mustern und Malereien wahre Kunstwerke, wodurch der Paravant zu einem festen Bestandteil der Dekoration wurde.

Doch wie kam es nun zu dem Namen spanische Wand? Die Begeisterung für die anmutigen Raumteiler überschritt schnell die asiatischen Grenzen und machte auch vor Europa keinen Halt. Vor allem in den spanischen und französischen Königshäusern erkannte man schnell, dass der Windschutz auch ein toller Blickschutz zur Wahrung der Privatsphäre ist. So wurde der Raumteiler auch zur Ankleide und flexiblen Toilettenwand. Von den königlichen Gemächern aus eroberte der Paravent dann die Wohnräume aller Bevölkerungsschichten. Auch heute noch ist der klappbare Raumteiler in vielen Wohnungen zu finden.

Anwendungsgebiete des Paravents

VerwendungsmöglichkeitHinweise
große Räume teilenGroße Räume sind Fluch und Segen zu gleich: es passt viel hinein, doch falsch eingerichtet wirkt der Raum schnell wie eine kühle Turnhalle. In dem Fall helfen geschickt positionierte Raumteiler, die Wohnlichkeit wiederherzustellen.
Schutz vor Funkenflug und HitzeNicht immer muss ein Paravent mannshoch sein. Mit einer geringeren Höhe wird daraus auch ein toller Ofenschirm, der den Rest des Raumen vor herumfliegenden Funken schützt. Zudem hält er im besten Fall auch kleine Kinderhände davon ab sich zu verbrennen.
Verwendung im AußenbereichSofern Holz oder Bambus verwendet werden, ist ein Paravent sowohl ein Blick-, als auch ein Windschutz im Freien. Mit geeigneten Standfüßen sind sie sehr robust und stabil.
Privatsphäre in den eigenen vier WändenReißen kleine Kinder oder Mitbewohner schnell mal die Tür auf ohne anzuklopfen? In dem Fall schützt der Raumteiler vor lästigen Blicken beim Umziehen. Wenn er nicht mehr benötigt wird kann er platzsparend zusammengeklappt und wieder verstaut werden.
tolle DekoOb Blumen, Schmuck oder Kleiderständer – Paravents sind vielseitig erweiterbar. Natürlich kann man den Blickschutz auch im klassischen Holz-Look belassen, doch mit etwas Fantasie werden daraus kleine Alleskönner.
Green ScreenWer Videos für YouTube und andere Plattformen dreht weiß, das Chaos im Hintergrund schnell peinlich wird. Doch mit einem Paravent wird der Blick auf den Rest des Raumes versperrt. Grün angemalt oder tapeziert wird daraus sogar ein Green Screen, der später mit einer geeigneten Software in eine andere Umgebung verwandelt werden kann.

Überzeugt? Dann heißt es nur noch Material einkaufen und los geht’s!

Paravent selber bauen – So wird’s gemacht

Wie bereits erwähnt, sind Raumteiler genauso vielseitig zu bauen, wie zu nutzen. Daher stellen wir im Folgenden die klassische Variante aus Holz vor. Natürlich können aber auch andere Materialien zum Einsatz kommen.

Material:

» MDF-Platten:
Die Anzahl variiert je nach Größe des Paravents. Standard sind drei bis vier Paneele. Diese sollten unbedingt gleich lang und breit sein, damit das Ganze einheitlich wirkt.

» Andere Möglichkeiten:
Wer es aufwendiger mag, kann statt der MDF-Platten auch Holzrahmen nutzen, die mit Vlies, Papier, Samt oder Tapete bespannt werden. Auch Bambus und Glas sind tolle Alternativen zu Holz.

» optional:

  • Holzblöcke (kleine Holzblöcke sind ideal als Standfüße)
  • Farbe oder Tapete so wird aus dem Blickschutz ein echter Blickfang

Werkzeug:

  • Bohrmaschine
  • Einbohrbänder
  • Schleifpapier
  • Zollstock und Bleistift
  • Säge, wenn das Holz noch nicht zugeschnitten ist

Schritt für Schritt Anleitung:

  1. Zunächst sollten die Platten auf dem Boden nebeneinander gelegt werden. Dabei ist zu beachten, dass die Paneele bündig sind.
  2. Nun können die Löcher für die Einbohrbänder vorgezeichnet werden. Sinnvoll ist ein Abstand von 25 bis 30 cm zur Ober- und Unterkante, um eine größtmögliche Stabilität zu wahren. Zum Anzeichen empfiehlt es sich, die Einbohrbänder auseinander zu spreizen, um den Verlauf der Stifte genau markieren zu können.
  3. Diese Schritte werden an allen MDF-Platten wiederholt, die später verbunden werden sollen.
  4. Im Anschluss können die Löcher für die Einbohrbänder mit einem geeigneten Holzbohrer vorgebohrt werden.
  5. Im nächsten Schritt werden die Einbohrbänder nun in die eben vorgebohrten Löcher in allen Paneelen eingedreht.
  6. Sollte die Konstruktion nicht sicher stehen, können aus Holz auch Standfüße gebaut werden. Hierzu werden in Holzblöcke Aussparungen für den Paravent gebohrt. Hierbei sollte natürlich die Rahmenstärke der MDF-Platten beachtet werden, damit die Paneele auch hineinpassen.

» Tipp: Für noch mehr Standfestigkeit sorgt eine Schraubverbindung zwischen dem Standfuß und dem Paravent. Inzwischen gibt es auch fertige Paraventhalter zu kaufen, in denen nicht nur das Loch schon vorgebohrt ist (z.B. hier erhältlich), sondern die auch bereits aufwendig verziert sind.

Nun ist das Grundgestell fertig und der Kreativität kann freien Lauf gelassen werden. Wie aus dem Holzgestell ein multifunktionaler Blickfang wird, verraten wir im letzten Abschnitt dieses Ratgebers.

Mit diesen Deko-Ideen wird der Paravent ein echtes Unikat

Wie eingangs bereits erwähnt, kann eine spanische Wand vielseitig genutzt werden. Daher möchten wir zum Abschluss noch mal mit den schönsten Deko-Ideen zum Bauen und Basteln inspirieren.

  • In kleinen Räumen wird ein Paravent schnell zum Alleskönner: Spiegel, Fächer, Ablagen, Haken – so entsteht schnell ein flexibler Schmink- und Ankleideständer.
  • Wer den Raumteiler optisch aufpeppen will kann auch Bilder daran aufhängen und eine Wand voller Andenken zaubern.
  • Auch kleine Blumentöpfe können daran befestigt werden – so wird aus dem Raumteiler eine kleine Oase.
  • Wem Töpfe nicht genug sind, der kann einen Paravent aus Paletten bauen. Dieser ist zwar weniger flexibel, wie ein kleines Modell, kann aber ebenfalls durch zwei Leute verrückt werden.
  • Mehr Platz für Deko bietet ein Paravent aus schmalen Lamellentüren, die als Regalpfeiler dienen. Durch das Entfernen von Lamellen auf derselben Höhe, können Regalbretter hindurch geschoben werden. Die freien Flächen können dann mit Büchern, Vasen und anderen schönen Dingen bestückt werden.
  • Mit grüner Farbe wird der Raumteiler zu einem Green Screen, dank dem mit einer Video-Software ein anderer Hintergrund eingefügt werden kann.
  • Statt herkömmlicher Farbe kann auch Magnetfarbe genutzt werden. So können Dinge angeheftet werden.
  • Auch Tafelfarbe oder -Folie bzw. Whiteboardfarbe oder -Folie sind toll, denn so kann der Paravent gleichzeitig als Schreibfläche für Notizen und Gedanken dienen.
  • Wer es minimalistisch mag, sollte statt Holz dicke Seile nutzen. So dient das Ganze zwar weniger als Blickschutz, ist aber ein echter Hingucker.
  • Deutlich aufwendiger, aber meist auch prunkvoller, sind ausgesägte Ornamente in den Holzplatten.
  • Übrigens kann ein Paravent-Gestell auch mit Glas bestückt werden. Vor allem buntes, wenig transparentes Glas ist sehr dekorativ und schützt gleichzeitig vor lästigen Blicken.
  • Ein Paravent muss nicht immer klappbar sein. Mit Schienen könnend die Platten auch zu einer Art Schiebetür werden.

Sie sehen, die Gestaltungsmöglichkeiten sind vielfältig. Hier noch einmal ein paar Inspirationen: