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Werkzeugwand selber bauen: French Cleat System Anleitung & Tipps

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Werkzeugwand selber bauen
So oder ähnlich sehen die meisten Werkzeugwände aus - © olgasun - Fotolia.com

Wer eine Werkzeugwand nach dem French Cleat System selber bauen will, muss schon ein wenig Aufwand betreiben. Das Ergebnis wird Sie aber überraschen und vor allem mehr Übersicht in Ihre Werkzeugsammlung bringen.

Ordnung ist das halbe Leben, so wurde es uns von Kindesbeinen an gelehrt und ja, da ist was Wahres dran. Wer keine Ordnung hält versinkt im Chaos und das bezogen auf die Hobbywerkstatt, kann sogar gefährlich werden. Liegen Schraubendreher, Feilen, Cuttermesser etc. wild durcheinander auf der Werkbank, findet man erstens nichts wieder und zweitens kann es zu Verletzungen führen, wenn wahllos in den „Werkzeughaufen“ gegriffen wird. Abhilfe schaffen Werkzeugschränke oder aber eine Werkzeugwand, auf der sämtliches Werkzeug gut strukturiert angebracht wird und somit jederzeit griffbereit ist.

Natürlich gibt es im Handel Werkzeugwände zu kaufen, allerdings handelt es sich dabei meist um ein Lochsystem, zu dem dann die passenden Haken benötigt werden, in denen das Werkzeug eingehängt wird. Wer eine individuelle Werkzeugwand haben möchte, der baut sie selbst und zwar aus Holz und nach dem French Cleat Sytem.

French Cleat System…
kommt aus dem Amerikanischen und heißt wörtlich übersetzt „Französische Klampe“. Auf unsere Werkzeugwand bezogen bedeutet es doppelarmiges Verstausystem. Der Begriff „Cleat“ hat seinen Ursprung in der Schifffahrt und bezeichnete dort einen doppelarmigen Haken, der zum Befestigen von Tauen verwendet wurde.

Bevor wir starten, noch ein Hinweis: die Größe und spätere Anordnung der Werkzeugwand hängt natürlich von den persönlichen Vorstellungen ab. Eventuell angegebene Maße dienen daher nur als Richtwert und können nach Wunsch angepasst werden.

Werkzeugwand selber bauen – Materialliste

  • Holzwand MDF oder Multiplex – Dicke 9 mm
  • MDF Leisten – etwa 70 mm breit (für die Keilleisten)
  • Holzplatten für die Werkzeughalter
  • Holzsäge oder Kreissäge
  • Schleifgerät oder Sandpapier
  • Holzleim
  • Bohrmaschine
  • Schrauben

Schritt 1: Rückwand zurecht sägen

Überlegen Sie sich zunächst, wie groß Ihre Werkzeugwand werden soll. Dieses Maß können Sie direkt beim Kauf (MDF oder Multiplexplatte) im Baumarkt zuschneiden lassen. Falls nicht geschehen, müssen Sie nun selbst ran. Die Höhe sollte allerdings so gewählt werden, dass Sie später bequem an alle darauf sortierten Werkzeuge herankommen. Ist die Wand zugeschnitten, werden nun noch die Kanten entgratet und die vordere Front glatt geschliffen. Das kann mit handelsüblichem Sandpapier gemacht werden, ist aber gerade bei der großen Fläche etwas mühsam. Besser geeignet ist ein Schleifgerät, doch hier ist darauf zu achten, dass Sie die Schleifmaschine immer in Richtung der Maserung des Holzes bewegen. Für alle Heimwerker-Anfänger gibt es auf baubeaver.de weitere nützliche Tipps, was beim Schleifen von Holz zu beachten ist.

Schritt 2 – MDF Leisten zuschneiden

Die MDF Leisten dienen als Unterkonstruktion für unsere späteren Haken. Am besten legen Sie die Werkzeugwand vor sich auf den Boden oder den Arbeitstisch. Nun können die Leisten schon einmal probeweise darauf platziert und im Bedarfsfall natürlich verschoben werden. Hilfreich ist es auch, wenn Sie sich eine Skizze anfertigen. Ist die Entscheidung gefallen, werden die Leisten der Wunschlänge entsprechend zugeschnitten. Nun kommt der wichtigste Teil, der das French Cleat System ausmacht. Die Längskanten werden auf Gehrung geschnitten, im Klartext, sie werden im Winkel von 45 Grad abgeschrägt, so dass Keilleisten entstehen.

Schritt 3 – MDF Leisten anbringen


Sind die Leisten zugeschnitten müssen Sie auf die hintere Wand aufgebracht werden. Das geht am einfachsten mit Holzleim. Legen Sie die Leisten waagerecht auf das Brett, entweder mit dem gleichen Abstand zueinander oder nach Ihren persönlichen Wunschvorstellungen – bedenken Sie aber, dass unsere Werkzeughalter später noch genügend Platz haben müssen um in die Keilleisten eingehangen zu werden.

Kleiner Tipp: Damit alles akkurat wird, zeichnen Sie sich mit einem Bleistift Hilfslinien auf das Brett. Sind die Leisten sehr lang reicht Holzleim manchmal nicht aus. Zur besseren Stabilisierung empfehle ich daher, am Rand und mittig einige Schrauben anzubringen.

Den Leim dann ausreichend trocknen lassen und die komplette Oberfläche noch einmal glatt schleifen und eventuelle Grate an den Kanten entfernen. Optional kann die Fläche nun noch lackiert oder gewachst werden. Handelsübliches Möbelwachs – wie zum Beispiel Massivum Renuwell, erhältlich bei amazon.de – genügt. Unsere Grundplatte ist nun so weit fertig und kann an ihrem Platz angeschraubt werden – vorher mit der Wasserwaage die horizontale Ausrichtung prüfen.

Schritt 4 – Werkzeughalter bauen

Nachdem das Grundgerüst steht, werden nun die einzelnen Halter (also unsere Cleats) gebaut. Diese müssen dann genau in die vorher auf Gehrung gesägten Leisten passen. Sie sind quasi das Gegenstück und bekommen daher ebenfalls einen 45 Grad Gehrungsschnitt. Je mehr Werkzeug Sie verstauen möchten, desto mehr Halter werden benötigt. Diese Aufgabe ist also nicht in Null-Komma-Nix erledigt. Wer häufiger passgenaue Teile selbst baut, sei es aus Holz, Metall oder Kunststoff, dem lege ich die Anschaffung einer CNC Fräse ans Herz. Entsprechende Modelle gibt es nicht nur für die Industrie, sondern auch für den Hobby- und Modellbaubereich, wie die Anwenderbeispiele von Kunden auf stepcraft-systems.com zeigen. Das erspart einerseits Arbeitszeit und zum anderen zusätzliches Werkzeug.


Per Hand gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Werkzeug auswählen
  2. entsprechendes Holzstück in Länge und Breite zurecht sägen.
  3. Aussparung (zum Beispiel für den Hammerstiel) aussägen.
  4. Rückwand für das Brett zurecht sägen.
  5. Keilleiste mit gleicher Länge sägen.
  6. Keilleiste von hinten und Werkzeughalter von vorn auf das Brett kleben.
  7. Keilleiste in die Werkzeugwand einhängen – Fertig!

Anders als bei einer herkömmlichen Werkzeugwand, wird das Werkzeug hier nicht von oben in Löcher gesteckt, sondern ist von vorn abnehmbar. Das geht erstens schneller und spart so Platz nach oben.