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Stromkabel angebohrt: Was ist im Ernstfall zu tun?

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Stromkabel angebohrt
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Sie haben ein Stromkabel angebohrt? Dann ist nun Vorsicht geboten! Denn ein defektes Stromkabel stellt immer eine Gefahr dar. Es muss also schnell repariert werden.

Eigentlich sollte nur ein Bild aufgehängt werden oder das Regal einen neuen Platz bekommen. Muss dabei gebohrt werden, besteht die Gefahr, versehentlich eine Stromleitung zu erwischen. Dies ist nicht nur ärgerlich, weil man dann vermutlich im Dunklen sitzt, es kann auch richtig gefährlich werden. Laien sollten deshalb von der Reparatur einer defekten Stromleitung absehen. Was Sie aber auf jeden Fall tun sollten und tun können, haben wir hier zusammengestellt.

Hilfe! Ich habe das Stromkabel angebohrt!

Ignoriert werden sollte es auf keinen Fall, wenn ein Stromkabel angebohrt wurde. Meist lässt es sich auch nicht verheimlichen, denn es kommt im Moment des Defektes zum Stromausfall. Wurde die Leitung lediglich angebohrt, kann es passieren, dass der Strom nicht ausfällt, sich aber eine schleichende Gefahr entwickelt. Ist die Isolierung des Kabels defekt, kommt es bei weiterem Betrieb des Stromnetzes zur Überhitzung der Kabel. Es entsteht Funkenflug und ein Kabelbrand ist vorprogrammiert.

Eine sichere und gefahrlose Reparatur defekter Stromkabel ist für Laien nicht garantiert, denn bei Arbeiten an elektrischen Anlagen besteht Lebensgefahr! Daher sollten Sie sich mit einem Elektriker in Verbindung setzen und den Schaden fachmännisch reparieren lassen.

Stromunfälle: die unterschätzte Gefahr

Wird an elektrischen Anlagen gearbeitet, kommt es immer wieder zu Unfällen. Diese enden nicht selten tödlich. Beinahe die Hälfte aller Unfälle werden verursacht, weil eine der fünf in der Elektrotechnik geläufigen Sicherheitsregeln missachtet wurde. Diese Sicherheitsregeln lauten:

Sicherheitsregel Erläuterung
FreischaltenDer Strom muss abgeschaltet werden. Im konkreten Fall sind die Sicherungen herauszudrehen oder der Leitungsschutzschalter zu betätigen.
Sicherung vor ungewolltem Wiedereinschalten Ist der Strom abgeschaltet, muss zugleich verhindert werden, dass es zu einem ungewollten Wiedereinschalten kommt. Dies kann durch Blockieren des Schaltschlosses oder durch eine Schaltsperre erfolgen. Oftmals wird auch ein spezielles Verbotsschild angebracht.
Feststellung der SpannungsfreiheitWenn auch alle Maßnahmen getroffen wurden, bevor mit der Reparatur begonnen wird, muss festgestellt werden, ob auch wirklich keine Spannung mehr vorliegt. Hierfür ist ein zweipoliger Spannungsprüfer einzusetzen. Einpolige Spannungsprüfer arbeiten in diesem Fall zu ungenau.
Erden und Kurzschließen Dieser Punkt besitzt erst ab einer Spannung von 1.000 Volt Bedeutung. Nach der Erdung ist die ERDE mit den aktiven Teilen zu koppeln. Dies geschieht mit Hilfe von Erdungsstangen und anderen kurzschlussfesten Vorrichtungen.
Abschranken benachbarter TeileLiegt weniger Spannung als 1.000 Volt vor, kann die Abdeckung mit Tüchern oder Schläuchen vorgenommen werden. Bei höheren Spannungen sind Warntafeln angebracht.
Auch der Personenschutz darf dann nicht außer Acht gelassen werden. Schutzhelme, Gesichtsschutz und Handschuhe sind Pflicht.

Angebohrte Stromkabel reparieren – Schritt für Schritt erklärt

❶ Wand freilegen:

Zunächst einmal sollten Sie die Sicherheitsregeln befolgen. Fließt dann kein Strom mehr durch die Leitungen, können Sie mit der Reparatur beginnen. Dazu zunächst die betreffende Wand freilegen. Dabei kann es notwendig werden, Fliesen oder Tapeten zu entfernen. Für die Freilegung der Wand können Sie Hammer und Meißel verwenden. Vorsicht und Fingerspitzengefühl sind gefragt. Die Freilegung sollte dabei nicht nur unmittelbar beim Bohrloch erfolgen. Sie sollten beidseitig etwa 20 Zentimeter frei lassen.

❷ neue Kabelverbindung herstellen:

Nun ist der Weg zum beschädigten Kabel frei und es kann überprüft werden, inwieweit es in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Sind keine Stegleitungen betroffen, können Sie eine Unterputzdose einbauen. Damit kann das angebohrte Kabel dazu dienen, Schalter oder Steckdosen zu installieren. Hierfür sollte die Wandposition aber entsprechend geeignet erscheinen.

Das Loch müssen Sie entsprechend vergrößern, damit die Unterputzdose in die Wand passt. Die Kabelenden anschließend in die Dosenöffnungen einführen. Die Leitungen nun mittels Steckklemme verbinden. Hierbei müssen Sie auf die passenden Farben achten. Abschließend die Unterputzdose verschließen.

Eine schnellere und einfacherer Lösung kommt ohne Unterputzdose aus. Hierfür werden die Kabel lediglich mit einer Steck- oder Lüsterklemme verbunden. Vor der Verbindung wird auf das Kabel einseitig ein Schrumpfschlauch aufgeschoben. Dieser kann dann, nachdem die Verbindung wieder hergestellt wurde, über die Nahtstelle gezogen werden.

❸ Wand in ursprünglichen Zustand versetzen:

Das entstandene Loch in der Wand kann nun wieder geschlossen werden. Für das Verputzen sollten Sie Mineralputz verwenden. Gips ist zu feucht und daher nicht geeignet. Anschließend wird die Tapete neu angebracht oder es werden die entfernen Fliesen ersetzt.

Was kostet die Reparatur?

Abhängig vom Umfang des Schadens ergeben sich hier Unterschiede. Es kann mehrere Stunden dauern, bis der Schaden gefunden und behoben wurde. Der Stundensatz von Elektrikern liegt bei etwa 50 Euro. Hinzu kommen Kosten für die Anfahrt. Entscheiden Sie sich also möglichst für einen im Wohnort ansässigen Fachmann.

Zahlt die Versicherung?

Meist greift die Haftpflichtversicherung bei derartigen Schäden. Allerdings wird nicht gezahlt, wenn nachweislich fahrlässig gehandelt wurde. Wer also direkt über einer Steckdose in die Wand bohrt, wird vermutlich in Erklärungsnot geraten.

Wie lassen sich angebohrte Stromkabel vermeiden?

Wer den ungefähren Verlauf der Stromkabel in seiner Wohnung kennt und diese beim Bohren möglichst weitläufig umgeht, wird kaum vor dem Problem einer angebohrten Leitung stehen. Stromkabel verlaufen meist waagerecht, etwa 25 Zentimeter über den Boden und in gleichem Abstand auch unterhalb der Zimmerdecke. Senkrecht befinden sich etwa 15 Zentimeter neben Fenstern, Türen oder Zimmerecken Stromkabel. In Küchen befindet sich eine weitere Tabuzone waagerecht in etwa 1,2 Meter Höhe. Dies sind jedoch nur allgemeine Angaben. Es ist nicht auszuschließen, dass sich weitere Stromkabel in der Wand befinden, weil Vormieter vielleicht selbst Leitungen verlegt haben oder auch Elektriker nicht fachmännisch gearbeitet haben.

Auf Nummer sicher gehen Sie mit einem Leitungssucher, welcher auf versteckte Stromkabel in den Wänden hinweist. Für Heimwerker ist dies durchaus eine lohnende Anschaffung. Sie müssen dabei mit etwa 60 bis 70 Euro an Kosten rechnen. Auch Wasser- und Gasrohre lassen sich damit lokalisieren.